Blumen im Frühjahr (März, April, Mai)
Immergrünes Felsenblümchen Draba aizoides
Das Felsenblümchen ist ein Vertreter der Felsflurgesellschaft des Juras und der Alpen. Es gedeiht auf kalkhaltigen Böden und ist sehr anspruchslos. In unserer Gegend finden wir das unscheinbare Blümchen in den Felsen und im Feingeröll der Oberdörferchlus, der Balmfluh, der Röti und der Hasenmatt. Es blüht sehr früh, manchmal schon im Januar. Sobald die Felsen an den sonnigen Stellen frei von Schnee sind, öffnet es die kleinen vierzähligen Blüten, oft schon bevor die ersten Insekten fliegen. Es hat eine eigene Überlebensstrategie entwickelt, es befruchtet sich selbst.
Gemeiner Seidelbast Daphne mezereum
Wenn wir im frühen Frühling durch den Jura streifen, müssen wir die Augen schon sehr gut offen halten, damit wir im lichten Gebüsch, oder im Felsschutt die rosa bis violett blühende Pflanze erkennen. Die Blüten riechen auffallend süsslich. Im Sommer verschwindet der Strauch mit seinen schmalen, lanzettlichen, dunkelgrünen Blättern im Gewirr der anderen Pflanzen. Manchmal entdecken wir ihn wegen der leuchtend roten Beeren, die sich eng angeschmiegt an den rutenförmigen Ästen gebildet haben.
Alle Teile sind sehr giftig beim Einnehmen, können aber auch Hautreizungen hervorrufen.
Flühblümchen Primula auricula
Das Aurikel ist eine Vertreterin der recht grossen Familie der Primelgewächse. Sie erblüht in einem leuchtenden Gelb. Auffallend sind die fleischigen, oft wie von einer weissen Puderschicht bedeckten Blätter. Die dicken Blätter verhindern das Austrocknen der Pflanze. Der Puder ist reines Kalzium, das sie durch Drüsen ausscheidet.
Wir finden die "Flueblueme" im Gebiet vor allem in den südlich bis östlich exponierten Kalkfelsen der Balmfluh, des Dilitschchöpflis, der Hasenmatt und der Stallfluh, manchmal sogar im Felsschutt unter den Felswänden.
Sie verkörpert im nördlichen Jura so etwas wie das Edelweiss in den Alpen. Sie ist geschützt!
Wald-Schlüsselblume Primula elatior
Sie gedeiht vorwiegend auf feuchten Wiesen und Wälder. Die Krone leuchtet hellgelb.
Bärlauch Allium ursinum

Ein Vertreter der Liliengewächse, der in den feuchten Laubwäldern des Juras und in den Auen und Hecken des Mittellandes häufig und in der Regel in ausgedehnten Kolonien lebt. Auffallend ist der scharfe Geschmack nach Knoblauch. Wir können ihn als Beilage zu den Frühlingssalaten servieren. Auch hier zeichnet die Beschränkung den Meister aus, denn: "Allzu viel ist ungesund!" An einem warmen Tag im Mai finden wir Tausende von Insekten beim Besuch der reinweissen Blüten.
Stinkende Nieswurz Helleborus foetidus
Die Nieswurz ist eine Vertreterin der Waldgesellschaft des Juras und ist stark giftig. Sie gedeiht nur auf kalkhaltigen Böden und liebt die südexponierten, trockenen, lichten Buchenwälder. Wir finden sie in unserer Gegend recht häufig. Sie blüht oft schon im Februar. Die hellgrünen Blütenblätter sind rot berandet.
Wer einmal ihre Blätter zwischen den Fingern zerrieben hat, vergisst das Beiwort „stinkende“ nie mehr.
Die Nieswurz zeigt uns beispielhaft die Metamorphose der Blattform. Sie entwickelt die Form von den fingerig geteilten Stängelblättern über die Hochblätter und die Blütenblätter bis zu den einfachen linealen Fruchtblättern.
Eine nahe Verwandte ist die Christrose, Helleborus niger, die im Südtessin vorkommt und in unserer Gegend in den Gärten gezogen wird.